In dieser Konstellation ja. Die KI hat das Produkt neu dargestellt, und ohne Vergleich mit einem echten Muster ist nicht sicher, dass es so aussieht wie die Ware. Genau diesen Fall nennen die Leitlinien als Deepfake (Beispielkasten nach Rn. 116). Haben Sie ein Muster bestellt und Detail für Detail verglichen, ergibt der Pflicht-Check „Grauzone, Kennzeichnung empfohlen“. Die Entscheidung treffen Sie.
Kennzeichnung erforderlich
Wenn nicht sicher ist, ob das Produkt so aussieht wie im Bild, kann das Bild über das Produkt täuschen. Genau diesen Fall nennen die Leitlinien als Deepfake.
Beispiel nach Rn. 116
Das Label erfüllt die Kennzeichnungspflicht. Es erlaubt aber nicht, das Produkt anders zu zeigen, als es ist. Das kann nach dem Wettbewerbsrecht irreführend sein, mit oder ohne Label. Prüfen Sie, ob Sie ein echtes Foto verwenden können.
Diese Einstufung folgt den Leitlinien der EU-Kommission zu Art. 50 KI-VO. Die Leitlinien sind nicht verbindlich, verbindlich auslegen kann nur der Europäische Gerichtshof. Die Entscheidung treffen Sie.
Das Beispiel
Ein Print-on-Demand-Shop verkauft Tassen mit eigenen Illustrationen. Ein KI-Werkzeug setzt das Motiv auf das Foto einer weißen Tasse und rechnet Wölbung, Licht und Glanz dazu. Gedruckt wird später beim Dienstleister. Eine bedruckte Tasse aus dieser Produktion hatte der Shop nie in der Hand.
Die Antworten im Pflicht-Check
- Wurde bei diesem Bild ein KI-Werkzeug eingesetzt, um es zu erstellen oder zu verändern?
Ja - Wer hat das KI-Werkzeug eingesetzt?
Ich selbst oder jemand aus meinem Team - Wann wurde das Bild mit KI erstellt oder zuletzt mit KI verändert?
Am 2. August 2026 oder später - Was hat die KI an diesem Bild gemacht?
Sie hat das Produkt selbst erzeugt oder verändert, etwa Form, Farbe, Material, Oberfläche, Größe oder Details. - Was hat die KI mit dem Produkt gemacht?
Sie hat das Produkt neu dargestellt, etwa aus einem Referenzfoto oder einer Beschreibung - Sieht das Produkt im Bild in jedem Detail so aus wie das Produkt, das der Kunde bekommt?
Unsicher - Ist das Bild selbst Teil eines Kunstwerks, einer Satire oder einer Fiktion, und ist das für jeden sofort erkennbar?
Nein, es ist ein Werbe- oder Produktbild
Diese Antworten im Pflicht-Check öffnen und für Ihr Bild anpassen →
Wann sich das Ergebnis ändert
- Sie haben ein Muster bestellt und das Mockup Detail für Detail verglichen: Farben, Druckposition, Größe, Glanz. Stimmt alles, lautet das Ergebnis „Grauzone, Kennzeichnung empfohlen“. Bei einem von der KI neu dargestellten Produkt lässt sich ein Einfluss auf die Wahrnehmung nie ganz ausschließen (Rn. 116).
- Das Mockup zeigt Druckfarben oder Glanz schöner als die echte Ware: erforderlich, und das Bild kann irreführend sein, auch mit Label (Rn. 129).
- Das Werkzeug erzeugt zusätzlich eine Szene um den Artikel: Dann kommt die Frage zum Hintergrund dazu. Am Ergebnis „erforderlich“ ändert das nichts. Siehe KI-Lifestyle-Szene.
- Das ganze Bild entsteht per Prompt, der Artikel eingeschlossen, und wirkt wie ein Foto: Siehe KI-Produktbild.
- Ihr Motiv ist selbst das Kunstwerk, das Sie als Druck verkaufen: Siehe KI-Kunstdruck.
Was Sie tun
- Bestellen Sie ein Muster und vergleichen Sie es mit dem Mockup: Farbe, Druckbereich, Größe, Material.
- Bis dahin: Label „AI“ mit dem Zusatz „Mit KI verändert“ an jedem Mockup, auch auf Produktkarten und in Anzeigen.
- Weicht das Muster ab, ersetzen Sie das Mockup durch ein Foto oder ein passendes Mockup.
- In der zweiten Ebene: „Verändert: das Aussehen des Produkts.“
So kann der Hinweis lauten

Label: AI · Mit KI verändert
Mit KI verändertes Bild
Dieses Foto wurde mit künstlicher Intelligenz (KI) verändert. Verändert: das Aussehen des Produkts.
Häufige Fragen
Mockups sind im Print-on-Demand doch üblich. Warum erforderlich?
Üblich heißt nicht unbedeutend. Ein von der KI neu dargestellter Artikel kann die Wahrnehmung des Produkts beeinflussen, und ohne Vergleich mit der Ware wissen Sie nicht, ob er stimmt. Diesen Fall nennen die Leitlinien als Deepfake (Beispielkasten nach Rn. 116).
Reicht es, einmal ein Muster zu bestellen?
Für den Vergleich ja, wenn Sie Mockup und Muster Detail für Detail gegenüberstellen. Das Ergebnis lautet dann „Grauzone, Kennzeichnung empfohlen“. Wechselt der Druckdienstleister oder das Material, prüfen Sie erneut.
Und ein Mockup ganz ohne KI?
Legt ein Programm Ihr Motiv ohne KI auf ein Vorlagenfoto, gilt Art. 50 Abs. 4 nicht. Ein Deepfake ist nur ein durch KI erzeugter oder manipulierter Inhalt (Art. 3 Nr. 60 KI-VO). Ob das Mockup die Ware richtig zeigt, bleibt trotzdem Ihre Aufgabe.
Quellen
Alle Quellen selbst gelesen. Randnummern (Rn.) beziehen sich auf die Leitlinien der EU-Kommission zu Art. 50, C(2026) 5054.
- Leitlinien der Kommission zu den Transparenzpflichten nach Art. 50 KI-VO, C(2026) 5054 finalEuropäische Kommission · Kommission · 20.07.2026
- Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung)EUR-Lex · Gesetz · 12.07.2024
- Code of Practice on Transparency of AI-Generated Content (finale Fassung)Europäische Kommission · Verhaltenskodex · 10.06.2026
- Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG)gesetze-im-internet.de · Gesetz · 27.09.2026
Keine Rechtsberatung. Die Inhalte erklären die Rechtslage auf Grundlage der Primärquellen, sie ersetzen keine Prüfung im Einzelfall.



